Maria Königin, Lingen & St. Marien, Lingen-Biene

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4. Brief von Merlin aus Ghana an die Gemeinde in Biene und Lingen

4. Bericht aus Ghana (Mai 2019)
Guten Morgen, Guten Mittag oder Guten Abend!
In den vergangenen zwei Monaten ist wieder einiges passiert! Heute werde ich über die Schule, übers Reisen und vieles mehr berichten.
Zu aller erst komm ich zur gemeinsamen Woche mit Nina und meiner Mama. Wildnis extrem! Wir haben mitten im Nationalpark geschlafen und dementsprechend auch viele Tiere gesehen. Elefanten, Krokodile, Antilopen, Wasserböcke, Affen und noch vieles mehr. Es war sehr aufregend als wir ankamen. Wir kamen nachts und es lag direkt ein Elefant auf dem Weg. Als wir uns dann im Hotel einnisten wollten, hat uns einer der Hotelkräfte noch auf die Gefahren hingewiesen. Was am Anfang sich witzig anhörte, wurde dann jedoch Realität. Die Gefahrenhinweise lauteten:
Regel 1: Immer alle Türen abschließen! Sonst kommen die Affen rein und durchwüsten das Zimmer.
Regel 2: Wenn jemand an der Tür klopft dann erstmal nachfragen wer da ist! Sind meistens die Affen weil sie wissen, dass Menschen häufig automatisch aufmachen.
Regel 3: Tiere haben Vorrang! Wenn es Probleme gibt ins Zimmer zu kommen, bitte die Ranger informieren!
Das war es dann auch schon mit den Regeln. Wahrscheinlich sitzt ihr jetzt in Deutschland und könnt euch das kaum vorstellen. Das, was wir allerdings erlebt haben, war eine Erfahrung wert. Meine erste Erfahrung habe ich gemacht, als ich in mein Zimmer gehen wollte und dort auf einmal drei Warzenschweine 1 Meter vor der Tür stehen. Ich entschied mich dann über die Balkonseite reinzugehen, doch auch dieser Weg blieb mir aufgrund eines Mittagsschlafs von Affen versperrt. Das sind ziemlich harmlose Beispiele. Dort kann natürlich alles passieren. Bestes Beispiel ist dafür, dass eine Cobra 3m neben unserem Frühstückstisch lag. Es war einfach nur verrückt. Solche Momente sind einfach atemberaubend. Dass lässt sich kaum in Worte fassen.
Wir haben dort 5 Tage verbracht und es uns wirklich gut gehen lassen.
Mein persönliches Highlight waren jedoch nicht die Affen und Warzenschweine vor meiner Zimmertür, die wunderschönen Elefanten aus der Nähe zu sehen, sondern die Nachtsafari am zweiten Tag, in der ich einen Leoparden in freier Wildbahn gesehen habe. Das Gefühl war unglaublich.
In der Nacht vom 09.03.2019 auf den 10.03.2019 folgte dann die knapp 12-Stündige Reise in die Hauptstadt Accra. Die Verabschiedung, sowie die Rückreise nach Deutschland von Nina folgten am selben Tag. Daraufhin hieß es dann Mutter – Sohn – Trip kann starten. Wir haben zusammen meine Stelle, die Wli-Waterfalls (höchster Wasserfall in Ghana), das Affenparadies in Tafi Atome und meine Gastfamilie besucht. Mama sagt heute noch, dass es unglaublich schön war. Zum Abschluss ihrer Reise folgte ein Wochenende im karibischen Strandparadies Busua. Am 18.03.2019 war für Sie das Erlebnis Ghana dann auch erstmal beendet.
Ich kann mich nochmal bedanken für die schöne Zeit mit beiden. Sie haben mir beide das Gefühl von der Heimat in Deutschland wiedergegeben. Das Gefühl war sehr schön. Es war für beide natürlich sehr schwierig, das Leben hier zu akzeptieren. Aber ihr habt es gut gemacht! Jeder hat irgendwas mitgenommen von der Reise. Mama und Nina haben auch nur positive Worte über meine Gastfamilie und sind beide sehr dankbar gewesen, für die Gastfreundlichkeit und Offenheit Ihnen gegenüber. Für meine Gastfamilie war es auch schön euch einmal kennenzulernen! Danke, dass ihr mich hier besucht habt!
Nachdem das sehr schöne Reisen dann vorbei war, stand natürlich auch wieder die Schule auf dem Programmpunkt. Meine eigenen Unterrichtsstunden häufigen sich jetzt etwas mehr, sodass ich mir einen größeren Einblick in das schwierige Leben eines Lehrers machen konnte. Es fiel mir sehr schwer Kinder, die nicht lernen wollen, etwas beizubringen, damit sie die Tests nicht schlecht schreiben und für die Klausur bestens vorbereitet sind. Aber ich weiß, dass ich das Beste probiert habe. In Ghana ist die Schule halt auch ganz anders als in Deutschland.
Gegen Mitte April stand dann auch die Klausurwoche vor der Tür. Im Vergleich zu Deutschland, läuft es hier mit den Klausuren ein wenig anders als in Deutschland. Hier gibt es eine Woche in denen in allen Fächern die Klausuren geschrieben werden. Pro Tag werden dann also zwei Klausuren geschrieben. Die Klausuren mussten natürlich auch korrigiert werden. Das war ein Haufen Arbeit, aber wir haben es relativ zügig durchgezogen und haben für das Fach ICT die Zeugnisnoten fertig gestellt. Dadurch, dass ich meine Klausuren korrigierte, hatte ich die Möglichkeit viele verrückte und coole Sachen mit den Kids zu machen, in der letzten Schulwoche vor den Ferien. Während mit den Jungs meistens Fußball auf dem Plan stand, haben wir uns mit den Mädels gegenseitig Geschichten erzählt und Musik gehört.
An jedem Tag bin ich dann in der letzten Stunde vor Schulschluss in eine Klasse gegangen und habe mit denen ein Dance-Battle gespielt. !9!Jungs gegen Mädels immer im 1 gegen 1. Ich muss sagen, selbst die 4.Klässler können besser tanzen als ich. Aber es war eine unfassbare schöne Woche, wodurch ich mit den Kids eine deutlich bessere Beziehung aufgebaut habe. Am Donnerstag, dem letzten Schultag, wurde hier alles aufgeräumt. Das Schulgelände wurde gefegt, die Klassenräume werden blitzsauber hinterlassen und jetzt kommt das schlimmste, was mich leider sehr gestört hat: Der Müll wird dann auf einen Haufen gepackt und dann einfach verbrannt. Es stinkt, ist bestimmt auch nicht Umwelt- oder Gesundheitsfreundlich und ich denke es gäbe hierzu Alternativen. Das war es dann auch zum Thema Schule.
Dann folgte am Donnerstag der Freudenschrei! FERIEN! Jeder weiß wie schön doch Ferien sein können. Natürlich ist das als Lehrer auch schön Ferien zu haben. Ich habe ein paar Erholungstage am Meer gehabt, wo ich nochmal über alles nachdenken konnte. Darauf folgte dann Zeit zu Hause und eine Wanderung durch einen kleinen Teil der Volta-Region. Ich muss sagen, die Volta-Region, dort wo ich wohne, ist so toll grün mit unglaublich vielen coolen Bergen und es ist einfach wunderschön hier! Das lässt sich auf Bilder leider nicht festhalten, aber wenn man hier ist, kann man einfach nur staunen.
Seit Anfang Mai, ist der normale Schulalltag wieder da.

Projekte:
Als ich mich bei Bistum Osnabrück für einen Freiwilligendienst beworben habe, wurde ich von den Verantwortlichen gefragt, warum ich denke, dass ich der Richtige für dieses Programm bin. Ich antwortete: „Ich möchte die Menschen und Personen aus anderen Ländern verstehen. Gerade in Deutschland sieht man, dass es immer mehr multikulturelle Länder auf der Erde gibt. Deswegen ist es mir sehr wichtig, dass ich viele Sachen von Personen aus anderen Ländern mit den Problemen in deren Ländern verstehen kann und viel mehr nachvollziehen kann.“
Außerdem war mein Ziel, mal was Kreatives und Sinnvolles im Ausland zu machen. Man sieht ja ganz häufig, dass Organisationen Werbungen für Patenschaften von afrikanischen Kindern machen. Ich weiß aber auch, dass bei diesen Organisation häufig sehr viel Geld in den Eigenbedarf kommt und nur sehr wenig an die armen Leute geht.
Ich kann jetzt öffentlich machen, dass mein erstes Projekt am 14.06.2019 zustande kommt, dank einiger Spendengelder die privat eingegangen sind. Hier nochmal ein aufrichtiges Dankeschön an alle! Wer natürlich noch was dazugeben möchte, kann dies sehr gerne tun. Schreibt mich einfach auf Facebook an.
Zu meinem Projekt: Ich habe mir etwas überlegt und mit meinem Schulleiter gesprochen. Ab dem jetzigen Schulterm (gleichzusetzen mit einem Schulhalbjahr; 1 Schuljahr besteht aus 3 Schultermen) gibt es Mülltonnen, damit die Kids hier lernen, dass der Müll in eine Mülltonne gehört und nicht verbrannt oder auf die Straße geschmissen wird. In Deutschland kann man sich so etwas natürlich nicht vorstellen, doch hier haben viele Familie einen finanziellen Notstand und können sich so etwas "wie die Müllabfuhr" nicht leisten. Manche Familien, gerade die Kinder, lernen dadurch nicht, dass der Müll in eine Mülltonne gehört. Deshalb wird häufig der ganze Müll einfach nur verbrannt und in die Natur geworfen. Die Kinder wissen somit nicht, dass sie nebenbei sehr giftige Stoffe einatmen und somit bleibt es nicht nur ein Problem für die Gesundheit. Andere Leidensträger sind Umwelt, Tiere, andere Menschen und vieles mehr. Deswegen ist es für mich sehr wichtig, denen hier beizubringen, in einem frühen Alter, dass wir in diesem Thema etwas ändern müssen. Das ist der erste Bestandteil des Projektes.
Am 14.06.2019 findet dann der 1. Umwelttag statt, der von mir selbst eingeführt wurde. Hierbei wird ein Grundstück, in der Nähe der Schule, komplett sauber gemacht. Der Müll, der gesammelt wird, wird von dem Müllentsorgungsunternehmen abgeholt. Darauf freue ich mich sehr. Als Belohnung für ihren sozialen und tollen Einsatz, erhalten die Kids gratis Wasser für den Tag und eine kleine Süßigkeit. Direkt in Verbindung damit, wird ein „Wie wasche ich meine Hände richtig mit Seife?“ – Programm eingeführt, sodass jeder Schüler am Ende auch komplett saubere Hände zum Essen hat! Auch hier muss ich kurz was zu sagen. In Ghana ist es nicht normal, dass man fließend Wasser hat. In armen Familien gerade von Leuten auf der Straße, wird Wasser aus einem nahe liegenden Brunnen geholt, damit sie sich überhaupt waschen können. Selbst dann wird es nicht immer mit einer Seife gemacht, weil diese Produkte einfach zu teuer sind, für diese Familien. Es gibt viele Kinder, die sich nach einem Toilettengang nicht die Hände waschen. Deswegen will ich ihnen beibringen, wann und wie genau man sich die Hände waschen sollte, damit sie wissen, dass sonst ganz viele Bakterien an den Händen sind.
Wenn es klappt, möchte ich gerne noch Seife für die Schule kaufen, damit die Kids wenigstens hier hygienisch saubere Hände bekommen, welches das Gesundheitsrisiko reduziert.

Zur Gefühlslage:

Momentan fühle ich mich sehr wohl in Ghana. Ich hatte in den letzten zwei Monaten, dass Gefühl, das ich schon hier als halber Ghanaer angesehen werde. Wenn ich von Reisen komme, wissen alle, dass ich hier wohne und die Leute fragen immer wie es mir geht und wie es in der Schule läuft. Außerdem muss ich hier nirgendwo mehr touristische Preise zahlen. Ich fühle mich wie ein richtiger Ghanaer in der letzten Zeit. Doch heute ist schon der 28.Mai und ich weiß, dass es in 1 ½ Monaten wieder zurück geht und das Kapitel Ghana vorerst beendet ist. Im Kopf bekomme ich manchmal schon das Gefühl bald in Deutschland zu sein. Das ist ziemlich krass, weil ich jetzt schon weiß, was ich vermissen werde. Ghanaische Freunde, manche Lehrer und Lehrerinnen, meine Schüler und vor allem meine Gastfamilie, die mich in schwierigen Situationen aufgemuntert hat und die mir Tipps zum Umgang mit Konfrontationen der Kultur gegeben haben.
In meinem nächsten Bericht werde ich dann ausführlich über meine Projekte berichten. Ich kann auch vorhersagen, dass es nicht nur bei dem Umwelttag bleiben wird, sondern auch andere Projekte anstehen. Deswegen könnt ihr mal gespannt sein.
Peace be with you!
Lieben Gruß aus Ghana,
Euer Merlin :D

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